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Interview vom 13.09.2007

Team Avantgarde aus Berlin im Interview

Team Avantgarde aus Berlin im Interview

Interview von Fabian

Team Avantgarde veröffentlichten vor kurzer Zeit ihr Album "Absolut".
Passend zum Album-Release konnten wir mit den beiden sympathischen Jungs über ihr Album, der Entwicklung des deutschen HipHops, sowie über die Verkörperung einer anderen Seite Berlins sprechen.

Phase: Also ich bin Phase von Team Avantgarde / Cryptonasen.
Zenit: Team Avantgarde besteht seit etwa 2003 und setzt sich aus dem MC Phase und mir, dem Produzenten Zenit, zusammen. Hervorgegangen sind wir aus der Cryptonasen Konstellation, in welcher noch Nesin mit dabei war, in der er als MC und auch als Produzent tätig war. Zu den beiden Team Avantgarde Veröffentlichungen steuerte er die ein oder andere Kontrabasslinie bei. Er studierte auch Kontrabass in Boston, so als nicht ganz verachtenswerte Erwähnung nebenbei. Zu Phase muss gesagt werden, dass er auch schon seit 97/98 produziert. Dieser Zeitpunkt war auch in etwa der Anfang meiner Schaffensperiode.

Euer Album "Absolut" steht seit kurzer Zeit in den Läden. Was erwartet den Hörer?

Zenit: Ein ziemlich gutes Album, auf dem keine Zeit für Lückenfüller geblieben ist. Produktionstechnisch reichen sich Samples, Synthies und virtuelle Instrumente die Hand und werden zu einer Einheit zusammengeschweißt, in welcher die Herkunft nicht immer auszumachen ist. Wärme und ein stark organischer Charakter sind für mich die Produktionsdogmen, die ich schon immer verfolgt habe und verfolgen werde. MC-technisch erwartet ein die ungeschönte Wahrheit. Allem voran eine nicht von Imagebestreben gebeutelte Wahrheit. Also sozusagen die unverzerrte Wahrheit. Das Album mag zwar nicht so zugänglich sein wie ein Apres-Ski-Sampler, bietet dafür umso einiges mehr, was sich noch so entdecken lässt.
Phase: Es erwartet den Hörer ein Album in dem Phase und Zenit wieder einen Lebensabschnitt verarbeiten. Es ist sehr detail verliebt, innovativ und eigen. Es ist eben der typische Team Avantgarde Sound. Ich denke, das Album ist inhaltlich sehr abwechslungsreich und hat eine schöne atmosphärisch-musikalische Untermalung. Man sollte sich einfach Zeit nehmen, dann wird man einiges entdecken!

Ihr habt eineinhalb Jahre daran gearbeitet, warum habt ihr euch so lange Zeit dafür gelassen?

Phase: Ich glaube, dass eineinhalb Jahre keine lange Zeit für ein Album ist. Ich für meinen Teil brauche Erlebnisse und Eindrücke um Lieder zu schreiben, die etwas beinhalten. Natürlich könnte ich ein Battle-Album in vier Monaten machen. Vielleicht mach ich so etwas auch bald mal. Aber bei diesem Album waren mir die Inhalte um einiges wichtiger. Ich meine, Lieder wie "Viel zu jung" oder "Swing wie Al Caiola 2" sind sehr emotionale Tracks, die direkt aus einem Gefühl und einer Lebensphase entstanden sind. So etwas kann man nicht erzwingen und deswegen dauert es etwas länger um solche Lieder zu machen. Außerdem hat Zenit vor ein paar Monaten ja auch das wunderbare "Natur und Industrie Album" veröffentlicht und Gutes braucht eben seine Zeit.
Zenit: Na ja, es dürften einem ja klar sein das wir dazwischen auch andere Sachen gemacht haben. Sei es in musikalischer Hinsicht oder beruflicher Hinsicht. Fakt ist, dass Selektion uns schon wichtig ist und es nicht darum geht mit hängen und würgen die Titelanzahl 20 oder mehr zu erreichen. Die Musik ist schon kopflastig, aber trotzdem kommt alles aus dem Bauch heraus. Meiner Meinung nach muss und sollte man nicht ein Lied bis zum erbrechen zeranalysieren, da man sich sonst an Kleinigkeiten aufhält die in vielen Fällen sowieso irrelevant sind. Für den Zuhörer, wie auch für die Künstler.

Wenn man das Album durchhört, dann merkt man die Vielfältigkeit in den Themengebieten, aber auch bei den Beats. Wer von euch beiden hat Schlussendlich das Sagen bis der Song fertig ist?

Phase: Auch wenn es sich ab gedroschen anhört, aber das ist bei uns irgendwie eine Symbiose und komischerweise sind wir beide sehr selbstständig in unserem Arbeiten. Wenn ein Song mal gecancelt wird, dann geht das fast immer von beiden aus. Ich glaube wir sind recht professionell von einer Idee bis zum Ergebnis. Zenit hört eine Skizze von mir und weiß sofort ob das funktioniert oder nicht. Sagen wir es mal so: Wir haben einfach schon sehr lange zusammen gearbeitet und sind ein gutes Team.
Zenit: Für mich ist immer nach dem Spiel gleich vor dem Spiel. Phase ist da eher so, dass er versucht das letzte Quäntchen noch aus dem Track raus zu kitzeln. Wenn ich Musik machen mit etwas vergleichen würde, dann mit der Vorstellung, dass der Schaffensprozess sich in etwa so vorzustellen ist, dass man mit dem Pinsel in die Farbe tunkt und dann halt seine Linien auf der Leinwand zieht. Habe ich eine Linie nicht so getroffen wie ich es im Nachhinein für besser halte, versuche ich nicht die vermeintlichen Fehler wegzuwischen oder mit einer anderen Farbe zu überdecken. Ich versuche eher beim nächsten Mal den Pinsel besser zu halten oder einfach andere Farbe zu benutzen. Das letzte Wort gibt es eigentlich nicht. Das ist ein Gefühl, welches uns beide beherrscht und dann ist es unserer Meinung gut so.

Die Featureliste ist ziemlich übersichtlich gehalten. Wie kam z.B. der Kontakt zu Boba Fettt zustande?

Phase: Boba kenn ich schon sehr lange über Gris, Meyah Don und den Bunker. Ich habe sein erstes Mixtape sehr gefeiert und halte ihn was Patterns angeht für einen sehr individuellen Rapper. Wir haben uns dann mal im Suff irgendwo getroffen und haben das Lied abgemacht! Außerdem darf man ja nicht vergessen, dass wir waren mal auf demselben Label, EDIT Ent. waren.

Sind bereits neue Projekte von euch in Aussicht bzw. gar schon in Arbeit?

Phase: Klar, am neuen Team Avantgarde Album sind wir dran, dann wird es bald "Zenit Remixes 3" geben und ein neues Instrumental Album, wir schlafen eben wenig!

Ihr verkörpert nach eigener Aussage eure Stadt Berlin von einer anderen Seite. Wie sieht diese aus?

Zenit: Lokalpatriotismus spielt ja nicht nur in der Musik eine große Rolle. Dieser Patriotismus beschränkt sich aber nicht nur auf die geographische Ebene. Denn mentalitätstechnisch ist Berlin nicht gleich Berlin. Diese Unterschiede können sich quasi im "Block-Rhythmus" ändern. Du brauchst nur zehn Minuten mit dem Fahrrad zu fahren und du denkst du bist in einer anderen Welt, nur dass diese Galaxie Berlin heißt! Und in diesen Welten leben dann zig Mikrokosmen unter sich und kochen ihr eigenes Süppchen. Sehr viele wollen ihr eigenes Ding machen, laufen aber Gefahr sich abzuschotten und so nur die eigenen festgefahrenen Ansichten für vertretbar zu halten.
Phase: Na ja, ich sage gerne, Rap ist wie Schulabschlüsse, es gibt Gymnasium-Rap und es gibt Hauptschul-Rap, aber es gibt sehr wenig Realschul-Rap. Wenn es so was geben würde dann wären es wohl wir. Das soll heißen, wir sehen uns nicht als besonders hoch tragend oder tiefgründig aber auch nicht als plump und stumpf. Ich glaube wir machen den Sound für den Alltag, Lieder bei denen andere dann sagen: "…krass, stimmt, so gings mir auch" oder "…da hat er irgendwie recht!" Sagen wir es mal so: Wir stehen wohl für einfache Wahrheiten und einen eigenen Sound.

Wie empfindet ihr die Entwicklung des deutschen HipHop in den letzten Jahren und was sollte sich eurer Meinung nach ändern?

Phase: Definitiv sollten die Leute mit dieser Image-Scheisse aufhören. Alles ist nur noch ein Image. Die Musik spielt weniger eine Rolle als ein Image. Des weiterem sollten alle mehr an ihrem eigenen Sound arbeiten anstatt Amis zu kopieren. Diese Kurzlebigkeit von Alben sollte aufhören, denn ein Album braucht manchmal Zeit und die nehmen sich die Leute nicht mehr. Eine Woche dies, die nächste das, Musik wird nur noch konsumiert!
Zenit: Ich mein, man könnte ja einen kaufmännischen Spruch umdrehen und sagen die Nachfrage bestimmt das Angebot. Ich bin mir sicher, dass es im Untergrund brodelt und es viele Talente gibt die eine Beachtung verdient hätten, die etwas über die Internet Kommentar Beweihräucherung hinausgeht. Ich muss schon Falk Recht geben! Ich habe auch sehr oft das Gefühl es gibt eine HipHop-Behörde in Deutschland, die von der Produktion bis zum Video alles abwickelt.

Vielen Dank das ihr euch Zeit für das Interview genommen habt. Die letzten Worte gehören natürlich euch.

Phase: Unterstützt EDIT Entertainment und bald kommt das wunderbare "Ein bisschen Koks" Video!
Zenit: Ich habe eigentlich nur eine Frage an den einen oder anderen Rezensenten, der bereits "Absolut" kritisiert hat. Um es vorwegzunehmen, wir brauchen uns der bisherigen Kritiken nicht zu schämen. Aber: Warum schreiben dann manche "…etwas Ironie oder Humor hätte dem Album gut getan." Geht man ins Kino, guckt sich eine Komödie an und sagt im Nachhinein: "Der Film war gut nur haben mir dort ein paar Morde gefehlt?" Geht man ins Kino, guckt einen Kriegsfilm und sagt im Nachhinein: "Der Film war gut, nur hätte ich gerne die Leichen lieber mehr auf Sonnenblumenfeldern liegen sehen mit einem Regenbogen im Hintergrund?" Das ist kein Angriff an Rezensenten sondern nur eine Unverständlichkeit meinerseits. Unterstützt TA. Danke!

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