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Interview vom 22.09.2007

Ak.a der Akademiker aus Recklinghausen im Interview

Ak.a der Akademiker aus Recklinghausen im Interview

Interview von Christoph

Recklinghausen, 121.521 Einwohner, 11,9 Prozent Arbeitslosenquote im ganzen Landkreis und eine fast tote HipHop-Szene! Tod? Na ja fast! Einer der seit Jahren den HipHop in Recklinghausen hochhält ist Ak.a aka der Akademiker, der nicht nur selber aktiv als MC sondern auch Veranstalter der einen oder anderen HipHop-Jam der letzten Jahre in RE ist.
Nach seinem tiefgründigen Debütalbum "Klänge der Erinnerung", welches er 2006 in Eigenregie veröffentlichte, erschien mit "Unterwegs" sein Zweites 11-Tracks starkes Album.
Passend zu "Unterwegs" trafen wir uns mit Ak.a vor seiner Releaseparty um ihm einige Fragen zu stellen und mal zu horchen, wo ihn sein achtmonatiger Trip hinführt.

Du bist seit geraumer Zeit bei Freakshit Entertainment aktiv. Wie kam der Kontakt zu den Jungs zustande und was genau machen die für dich, bist du bei denen gesignt?

Das ist in erster Linie ein Kollegen-Kollektiv aber natürlich ist es auch schon ein Label und eine Plattform. Die geben allen Künstlern definitiv die Möglichkeit sich zu verwirklichen und die haben ja auch nicht nur HipHop-, sondern auch Elektro-Sachen und wie der Name schon sagt etwas abgespacte Dinge. Ich kenn die Jungs, vor allem den Uwe, der das ganze so mehr oder weniger leitet jetzt schon seit gut drei bis vier Jahren und war mit ihm auch schon zusammen auf der Bühne in Heidelberg, wo wir uns auch kennen gelernt haben. Mein erstes Album "Klänge der Erinnerung" habe ich noch komplett alleine raus gebracht und das neue jetzt eben über Freakshit, weil die Jungs mich supporten wollten. Ist also alles auf einer kollegialen Basis und nicht so streng mit Verträgen oder so geregelt.

Du nennst dich Ak.a der Ak.ademiker. Wie wichtig ist für dich Bildung und Wissen um gute und ehrliche Rapmusik zu machen?

Bildung an sich ist natürlich sehr wichtig!
Wenn ich mir jetzt Sachen wie z.B. Massiv reinziehe, wie der gehypt wird mit seinen ganzen Libanesen und seinen Schlägereien, dann kann ich nur sagen, dass ich solch eine Promotion ziemlich lächerlich finde. Ich finde man sollte einfach verkörpern was man wirklich ist, das auch in seinen Texten ausdrücken und sich nicht irgendein Fake-Image aufbauen. Deswegen habe ich auch auf meinem ersten Album so dagegen gehalten von wegen Bushido, Sido und die ganzen Marketingstrategien. Aber mittlerweile habe ich mich da ein bisschen gewandelt und denke jeder soll machen was er will.
Ich persönlich studiere ja momentan und das passt einfach besser zu meinem Image. Die neue Scheibe ist ja auch lustiger geworden und nicht mehr ganz so ernst. Es sind viele selbstironische Sachen dabei und insgesamt gibt "Unterwegs" schon schön wieder, wie sich meine Persönlichkeit entwickelt hat.

Also machst du deine Musik in erster Linie für dich...

Ja, ich mache meine Mucke nicht nur für die anderen sondern ich muss auch selber damit zufrieden sein. Ich würde z.B. nie einen kompletten Battletrack machen indem ich nicht das aussage für das ich stehe. Man muss schon dahinter stehen! Wenn es aber schon mal mir gefällt, dann ist das Ganze schon auf dem richtigen Weg.

Was sagst du Leuten die dich zwar für deine Aktivitäten schätzen (Jams, Releases usw.) aber deinen Rapstyle nicht wirklich als ausgefeilt empfinden? Bist du damit überhaupt schon mal konfrontiert worden?

Klar, es gibt immer Leute die es gut finden und andere Leute finden es eben nicht gut. Genau so wie ich gesagt habe, dass die einen Gangster-Rap hören und die anderen eben nicht.
Ein gutes Beispiel ist doch K.I.Z.! Die werden überall gehypt wo es nur geht, riesige Plakatwende überall usw., die sind auch super und trotzdem gibt es auch Leute die dann sagen: "Ach ne ist scheiße, die rappen ja nur übers Ficken!" Diese Leute merken dann natürlich die subtile Message nicht, die darin steckt und bei mir ist das ziemlich ähnlich. Es gibt Leute die supporten mich total weil sie es cool finden, wie du bereits gesagt hast, dass ich aktiv bin und andere haten dann einfach nur dumm rum. Ich kenn das ja auch aus dem Internet: Die sagen du bist ein Wichser oder was auch immer. Mittlerweile habe ich ja schon aus Spaß Bulletins rumgeschickt von wegen "Hatermessage des Monats", wo dann irgendwelche lustigen Sachen drinstehen, von Leuten die einfach gar nicht checken was es damit auf sich hat. Und ich denke: Min. 50 Prozent der Leute die kritisieren sind nicht in der Lage etwas Besseres hinzukriegen. Wenn mir einer eine wirklich konstruktive Kritik gibt, dann kann ich damit super umgehen. Kritik muss schon so sein damit ich darauf aufbauen und meine Sachen besser machen kann. Ansonsten bringt mir das nichts!

Wie wichtig war es für dich auf "Unterwegs" etwas komplett anderes zu machen und nicht wie auf "Klänge der Erinnerung" deine Erfahrungen zu verarbeiten bzw. dein Leben zu reflektieren?

Es war mir wichtig auf die konstruktive Kritik einzugehen, die die Leute mir gegeben haben. Aber ich habe auch selber gemerkt das ich mich nicht so ernst nehmen sollte, denn Leute die mich kennen wissen, dass ich ein lustiger Mensch bin der auf Partys geht usw.! Das erste Album war eben komplett ernst und das neue ist eben mehr die lustige Schiene. Ich habe für mich festgestellt, dass das einfach mehr meine Persönlichkeit wieder spiegelt. Nichts desto trotz beinhaltet das neue Album immer noch eine Message.

Wie kam es zu den Features auf "Unterwegs"? Sind das Internet-Features á la: "...send mir mal deinen Part" oder wart ihr wirklich gemeinsam im Studio und habt den Track recordet?

Im Studio gestanden gemeinsam haben wir leider nicht aber ich kenne die Jungs schon persönlich!
Bei der "Jam Sessions" in Hannover habe ich BoFlower kennen gelernt, wir haben ein bisschen geredet und dann habe ich ihn angehauen von wegen eines Features. Recordet haben wir dann den Track einzeln, er bei sich bei Schmuf Hamburg und ich in meinem Studio.
Mit Pure Doze war das so, dass ich mit dem schon länger Kontakt habe und ihm auch mein erstes Album geschickt hatte. Das fand er recht geil und irgendwann habe ich ihn dann aus Spaß gefragt ob er Interesse an nem Feature hätte und er hat sofort zugesagt. Das hat mich natürlich super geflasht.

Du gehst ab Oktober auf einen achtmonatigen Trip durch die Welt. Daher auch der Titel deines Albums? Wo wird dich dein Trip hinführen?

Es geht für mich nach Hollywood, einfach mal was anderes sehen und nicht immer nur den Ruhrpott und genau des wegen auch der Titel des Albums.

Eigentlich ist das ja immer umgedreht: Man macht erst Erfahrungen und bringt dann z.B. ein Buch oder eine Platte raus. Bei dir ist es genau umgekehrt und du hast "Unterwegs" vor deinem Trip veröffentlicht. Warum?

Die Sache, dass ich weggehe hat sich durch Zufall so ergeben als ich bereits mitten in der Albumproduktion war. Dann hatte ich mir überlegt ob ich die Sachen acht Monate liegen lasse, was jedoch zur Folge gehabt hätte das sie dann veraltet gewesen wären. Also habe ich mir überlegt das jetzt fertig zu machen und unter dem Titel "Unterwegs" raus zubringen. Denn erstens bin ich ja bald unterwegs und zweitens supportet mich ja Freakshit ohne Ende und macht dick Promo. Daher hoffe ich jetzt, dass sich das Album gut verkauft und dann komme ich wieder und werde neue Sachen machen.

Die meisten Leute versuchen heutzutage Hochglanzcover mit 100ten Photoshop-Effekten usw. raus zuhauen. Das Cover zu "Unterwegs" ist genau das Gegenteil und handgemalt.

Es wurde schon nachbearbeitet mit Photoshop!
Ich wollte das einfach authentisch lassen und hatte schon lange die Idee, mal ein hand gezeichnetes Cover zu machen, da ich eben gerade diese komischen Photoshop-Designs nicht so mag. Ich wollte einfach ein Cover haben, dass einen künstlerischen Aspekt hat und das denke ich mal ist mir damit auf jeden Fall gelungen. Auch wenn einige Leute sagen es gefällt ihnen nicht, ich finde es geil und wollte es so haben. Die Schrift ist von meinem BackUp-MC, der eine ziemliche HipHop-Schrift hat. Auch die ganzen Danksagungen im Inlay usw. wurden alle mit der Hand geschrieben. Noch mal danke an Alex für das Coverdesign, denn der hat eben alles per Hand gezeichnet und am Computer nachbearbeitet wurde dann alles von meinem Top-Designer Sebastian.

"Der Ak.ademiker" ist dein Rappresentertrack auf dem du auch ansprichst, dass man das Business ändern sollte denn du änderst dich nicht. Wie sollte denn deiner Ansicht nach das Business verändert werden? Was passt dir an der momentanen Situation nicht?

Noch mal zurück zum Anfang... Wenn ich jetzt Battle- oder Gangsta-Rap machen würde, was natürlich überhaupt nicht zu mir passt und da würden die Kids voll drauf abfahren, dann wäre das natürlich für mich der einfachere Weg erfolgreich zu werden. Mir ist bewusst, dass ich mir den steinigeren Weg ausgesucht habe und für diesen härter arbeiten muss.
Die Szene geht leider immer mehr den Weg in Richtung Gangster-Rap, siehe Massiv und solche Leute. Aggro Berlin will ich gar nicht richtig mit einbeziehen, denn das neue Sido-Album finde ich z.B. cool! Was er jetzt macht gefällt mir, weil er auch mehr drauf eingeht was er verkörpert und nicht mehr diesen scheiß Maskenquatsch da macht.
Am Beispiel vom Ruhrpott z.B. denke ich an Leute wie RAG, Too Strong, ABS, OnAnOn und nicht an Snaga & Pillath oder "Der Neue Westen" oder an solche Leute. Das was Samy Deluxe da ins Leben gerufen hat, das finde ich repräsentiert einfach nicht den Ruhrpott. Da muss es einfach mehr in die Richtung gehen, dass sich z.B. RAG noch mal zusammenraufen und ein Comeback-Album machen. Die Zeiten würde ich gerne wieder haben... Das wäre supergeil!

Was mich positiv überrascht hat ist der DJ Upset DJ-Skit auf deinem Album, da man auf den heutigen Veröffentlichungen ja kaum noch dem DJ einen Platz gibt. Sind dir alle Elemente von HipHop wichtig, also das MCen, DJing, Breaken und Sprayen?

Ich finde der DJ ist auf jeden Fall ein fester Bestandteil und was ich gerade am Upset gesehen habe, als ich Waes&Upset damals kennen lernte, wie krass der auf der Bühne abgegangen ist und da war für mich klar: Mir fehlt ein DJ! Daher wollte ich den unbedingt auf meinem Album haben und seine Cuts werten die Tracks natürlich auch noch mal auf. Da er sich bei meinem Album solche Mühe gegeben hat, fand ich es nur fair ihm auch einen Track auf "Unterwegs" zu geben, denn es ist ein beidseitiges Supporten. Leute die mein Album hören, denen wird der Upset sicher auch im Gedächtnis bleiben und vll. checken sie dann auch Waes&Upset Mukke aus.
Die Elemente gehören definitiv alle zusammen und man sollte Rap nicht als einzelnes sehen sondern schon als Gesamtbild. Es sollte wieder mehr Jams geben wo gute DJs sind, vielleicht auch Breaker und das dann noch ein bisschen mit Graffiti verknüpfen.

Wie schauen musikalisch gesehen die nächsten 12 Monate für dich aus? Wirst du auf deinem Trip auch das ein oder andere Konzert geben oder ist vielleicht sogar noch ein Album oder eine EP geplant?

Ja, die musikalische Zukunft ist erstmal ungewiss! Ansonsten geht es wie gesagt bald nach Hollywood und jetzt guck ich mal wie sich das Album verkauft und wie das alles läuft. Nächstes Jahr wird man dann wieder einiges von mir hören.
Dickes Dank noch mal an alle, die mich bis jetzt supportet haben! Checkt den Exclusive Track, da werden die Namen auch noch mal genannt: außer Absolude, den hab ich in der Eile vergessen, vielen Dank für den Beat, sehr freshes Teil!

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